Club ab 1970 - Aero Club Nürnberg

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Willkommen zum dritten Teil „70 Jahre Aero Club Nürnberg e.V.“. Wir starten diesmal im Jahr 1970.

AUFSPALTUNG DES AERO CLUBS

Die beiden Gruppen, Segel- und Motorflug, wurden 1970 aufgespalten und gingen daraufhin getrennte Wege. Als Begründung für diesen Schritt wurden steuerliche Aspekte genannt. Zudem wäre ohne die Trennung das Erlangen der Gemeinnützigkeit für den Verein nicht möglich gewesen.

BAU DES NEUEN CLUBHEIMS UNTER RICHARD ALTVATER
Im gleichen Jahr begann die Aero Club Präsidentschaft von Richard Altvater, dem Mitbegründer des Bauunternehmens „Eiwobau“.  Altvater erhielt zeit seines Lebens zahlreiche Ehrungen, unter anderem das „große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland“. Er stand zu der Zeit stark in der Öffentlichkeit des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, und politischen Lebens.
 
 
Unser erstes, 1959 bezogenes, Clubheim musste schließlich den Expansionsplänen des Flughafens weichen. Der Geschäftsführer des Aero Dienst Nürnberg, Bernhard Joklitschke, hatte nun die Idee, zusammen mit dem Aero Club den gesamten südöstlichen Bereich des Flughafens in Beschlag zu nehmen. Es war geplant, einen großen Gebäudekomplex zu errichten, bestehend aus Hangars, Wartungshallen, Übernachtungsmöglichkeiten, Büros, Verwaltung, und sogar mit einer eigenen Flughafenzufahrt zu dem Aero Dienst / Aero Club Areal. Alle notwendigen Genehmigungen seitens des Flughafens und der Regierung lagen auch schon vor, bis schließlich Richard Altvater die Teilnahme an dem Projekt mit der Begründung „wir brauchen etwas eigenes“ wieder entzog.
Richard Altvater (07.04.23 – 27.02.01)
1. Vorstand 1970 – 1975


Und so entstand 1973 unser Clubheim in der jetzigen Form. Der Grund und Boden wurde durch den Flughafen zur Verfügung gestellt, und gehört diesem bis zum heutigen Tag. Das Gebäude wurde in Eigenleistung durch die Mitglieder, und deren Firmen (Stichwort Eiwobau), erstellt. Das alte Clubgebäude wurde abgebaut. Teile der Wandverschalungen fanden im Clubheim des Aero Club Fürth in Seckendorf bis 1985 noch Verwendung.
Die Einweihung des neuen Clubheims fand unter reger Anteilnahme der Mitglieder, Personen des öffentlichen Lebens aus Politik und Wirtschaft, sowie der Fliegerei statt. Auch präsentierte sich hier die neu gegründete „Luftsportvereinigung Nürnberg e.V. (LNV)“ das erste mal der Öffentlichkeit. Sie entstand aus dem Zusammenschluss des Aero Clubs, und des Fliegerclubs Nürnberg. Im Dezember 1979 löste sich die Vereinigung wegen Unerreichbarkeit der gemeinsamen Zielvorstellungen allerdings schon wieder auf.
Der damalige Bundestagsabgeordnete, und spätere Bayerischer Ministerpräsident, Franz Josef Strauß pflegte eine enge Freundschaft mit Richard Altvater. Strauß, selbst Pilot, flog oft selbst nach Nürnberg um dem Aero Club eine Besuch abzustatten.
KOOPERATION AERO DIENST & AERO CLUB
Die Flotte des ACN bestand damals aus nur einer Handvoll eigener Maschinen. Sie umfasste 4 oder 5 Cessnas 150 und 152, die hauptsächlich als Schulungsmaschinen verwendet wurden. Zusätzlich kaufte der Aero Dienst zu der Zeit ca. 10 Maschinen, bestehend aus Piper Cherokee, J3 Cub, C140, C180, und den 2-Mot Aztec 235 und Piper Seneca, um diese komplett (aber nicht ausschließlich) an den Aero Club zu verchartern. Alle Maschinen hatten eine einheitliche Bemalung mit dem Claim „Aus Freude am Fliegen“.
Die beiden Piper Cherokee D-EADF und D-EAMN waren zwei der Flugzeuge, die der Aero Dienst dem Aero Club vercharterte. Beide Maschinen wurden leider in Unfällen zerstört (D-EADF 1975, D-EAMN 1978). Schön zu sehen ist die einheitliche Lackierung aller Aero Dienst Maschinen.
Adolf Bickel übernahm 1975 das Steuer des Aero Clubs und hatte das Amt bis 1990 inne.

 
Fluglehrer Bickel bildete in seiner fliegerischen Laufbahn ca. 400 Privatpiloten aus, und flog 14 Millionen unfallfreie Kilometer. Er galt im Verein als der „Mann für Alles“. Sei es beim Schweißen von Gabeln oder anderen Reparaturen: Adolf Bickel war immer ganz vorne mit dabei.
Adolf Bickel (05.01.26 – 12.03.95)
1. Vorstand 1975 – 1990 – Fluglehrer
DAS VEREINSLEBEN IN DEN SIEBZIGER JAHREN

In den Siebziger Jahren florierte der Aero Club enorm. Viele Mitglieder des Vereins waren gutsituierte Nürnberger Unternehmer, Industrielle, VIP’s, die in der Fliegerei ihr gemeinsames Hobby fanden, und die auch zum Teil ihre eigenen Flugzeuge unterhielten. Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt waren groß. Wer sich in einem Verein engagieren wollte hatte, die Wahl zwischen dem 1. FC Nürnberg oder dem Aero Club Nürnberg. Noch heute werden wir zusammen mit dem 1. FCN als die bekanntesten Nürnberger Vereine genannt. Dies hat womöglich seinen Ursprung in der Wahrnehmung des ACN in den Siebzigern.
Auch damals schon ein fester Bestandteil des Vereinslebens: Fliegerwaschen
Diese Morane trug im ACN den Spitznamen „Krüppelfichte“ – wohl in Anlehnung an ihr unförmiges Äußeres.
1973 kam noch der Nikolaus zur Weihnachtsfeier ins Clubhaus mit einem ACN Flugzeug eingeflogen. Der Funkverkehr spielte sich dann so ab (Tatsache):
Nikolaus (in der Platzrunde): Hallo Tower, hier ist der Nikolaus, ich muss zum Aero Club. Darf ich landen?
Tower: Ja Nikolaus, du darfst landen“.
 
Teilweise reichten die Räumlichkeiten im Aero Club nicht aus, und man musste die Vereinsfeiern auch in andere Häuser, wie zum Beispiel in das Tiergartenhotel, verlegen.





Max Haas trat 1961 dem Aero Club bei. Er war Fluglehrer und Checkpilot für 2-Mot-Rating am Luftamt Nordbayern. Man fand ihn stets im Flugzeug. Er war ein begeisterter und begeisternder Flieger, der Generationen von Flugschülern prägte.

Unvergleichlich auch seine Funksprüche:
Tower: Report Position
Max Haas: Overhead Schuttberg, des müsst ihr doch wissen“.

Max Haas verstarb am 13.09.94.
Durch den damaligen Flughafendirektor Helmut Müller-Gutermann, der das Amt von Heinz-Hugo Starke übernahm, und der selbst Pilot und Mitglied im Aero Club war, erfuhr die Vereinsentwicklung von Seiten des Flughafens stets wohlwollend Unterstützung (Hangarbauten, etc.). Hier war und ist man zu großem Dank verpflichtet.

ACN Piloten erbrachten zum Teil herausragende fliegerische Einzelleistungen. So wurden Flüge von Nürnberg zum Kilimandscharo, zum Nordkap und weiter nach Spitzbergen, ans Schwarze Meer, Alaska, Feuerland, und sogar rund um die Welt, durchgeführt. Man nahm Teil an internationalen Rallyes, wie z.B. der Malta- oder Cognac Rally, wo man meist vordere Plätze, oder sogar den ersten Platz (Werner Haygis, Maltarally) gegen sehr starke Konkurrenz belegte. Und wenn mal kein Flugwetter herrschte, organisierte man auch gerne Ausflüge mit dem Bus. Zum Beispiel nach Wolfratshausen zum Floßfahren auf der Isar.

Der Aero Club selbst veranstaltete mit dem alle zwei Jahre stattfindenden Frankenflug weiterhin einen vielbeachteten Wettbewerb, bei dem in den stärksten Jahren nahezu 60 Mannschaften teilnahmen. Als ersten Preis stiftete der Chef des Aero Dienstes, Bernhard Joklitschke, einen Flug in seinem Learjet nach Wien, den er selbst als Kapitän steuerte.

FLUGUNFÄLLE DES AERO CLUBS

Leider blieben dem Aero Club Flugunfälle auch nicht erspart. Da diese auch ein Teil unserer Vereinsgeschichte sind, möchte ich drei davon schildern:

NÜRNBERGER PRINZENFLUG, 02.02.1975 (D-EADF)
Der Prinzenflug des Aero Clubs hatte Tradition. Alljährlich feierten die Närrinnen und Narren der „Nürnberger Luftflotte“ ausgelassen im Aero Club, bevor man zu einem Rundflug aufbrach. So auch am 02. Februar 1975, als drei Flugzeuge des ACN bei guten Bedingungen starteten. Darunter auch die Piper Cherokee D-EADF mit vier Personen an Bord: ACN Pilot Rudolf Dannhorn (54), der Vorjahresprinz Udo Eichner (30), und das Bad Windsheimer Prinzenpaar Anita Schalk (21) und Tom McCaskey (24, ein U.S. Hubschrauberpilot aus Illesheim). Zwei Maschinen entschieden sich aufgrund der Wetterbedingungen für einen Südkurs. Verhängnisvoll war der Kurs, den Rudolf Dannhorn steuerte: Genau nach Nordost, Richtung Fränkische Schweiz, über der zu diesem Zeitpunkt bereits ein Schlechtwettergebiet lag. Dichter Nebel, tiefe Wolken, und Sichten unter 1 Kilometer.
Nachdem er sich um 15:30h aus dem Nürnberger Luftraum abgemeldet hatte, gab es kein weiteres Lebenszeichen mehr. Kurze Zeit später hörten Zeugen Flugzeuggeräusche und einen Aufprall. Bundeswehr, Polizei, Rettungsdienste, und auch US-Einheiten starteten unverzüglich großangelegte Suchaktionen im Raum Egloffstein, doch dichter Nebel mit Sichtweiten um 20 Meter erschwerten alle Aktionen. Erst am nächsten Morgen fand man die Unglücksstelle, wo sich „den Rettungsmannschaften ein grauenhaftes Bild bot“. Östlich von Oberehrenbach flog die Maschine über ein Hochplateau hinweg, streifte die Baumwipfel, und stürzte in eine 150m tiefe Schlucht. Alle vier Insassen starben. Seither führte der Aero Club keinen Prinzenflug mehr durch.
FLUG IN WOLKENFRONT, 1978 (D-EAMN)
Am 12. Juli 1978 startete der ACN Pilot Rudolf Dorr (23) zusammen mit den Passagieren Wolfgang Mayer (25), Andreas Sturm (22), und Bernd Bedernik (22) mit einer Piper Arrow P28 D-EAMN bei guten Wetterbedingungen zu einem Lokalflug in das Gebiet nördlich von Nürnberg. In der Gegend um Forchheim flog die Maschine aus ungeklärter Ursache in eine Wolkenfront (vermutlich Gewitterwolken) ein, und verlor dabei Teile der Tragfläche. Das Flugzeug kippte über die Seite ab, kam ins Trudeln, und stürzte senkrecht in einen Steinbruch bei Forchheim, nicht weit entfernt von dicht besiedeltem Wohngebiet. Die abgerissenen Teile es Flugzeugs wurden mehrere hundert Meter weit von der Absturzstelle gefunden. Alle vier Insassen starben bei dem Unglück.
Der damalige ACN Vorstand, Adolf Bickel, kommentierte gegenüber der Presse: „In Nürnberg hatte man zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Radarschirm eine Gewitterstörung über Forchheim festgestellt. Die Maschine, mit der Dorr aufgestiegen ist, hatte zwar eine spezielle technische Ausrüstung, um Wolkenflüge zu bestehen, aber der Pilot war dafür nicht ausgebildet. In einer Wolkenwand wie dieser muß man als Pilot schon über sehr große Erfahrung verfügen, um sie zu überwinden. Für jeden anderen gibt es nur wenig Chancen, da wieder vernünftig rauszukommen.
Dieses Unglück hatte eine Nachspiel vor Gericht. Ein Angehöriger eines der verunglückten Insassen stellte Regressansprüche gegen den Aero Club. Wie der Fall ausging konnte ich leider nicht mehr recherchieren.

1990 waren Dr. Hans Springer 1. Vorsitzender und Werner Haygis 2. Vorsitzender des Aero Clubs. Die Flotte umfasste zu dem Zeitpunkt 9 eigene Flugzeuge, und der Verein zählte ca. 400 Mitglieder. Die Flugschule bildete mit ihren 10 ehrenamtlichen Fluglehrern bis dahin ca. 600 Piloten aus. Man pflegte freundschaftliche Beziehungen zu Fliegerfreunden, u.a. in Gera und Limoges / Frankreich.

PLÄNE ZUM KAUF DES FLUGPLATZES IN FEUCHT

Nachdem zu Beginn der Neunziger Jahre die US Army von ihrem Flugplatz in Feucht (EDIG) abgezogen war, erwägte der Aero Club kurzzeitig, diesen Flugzplatz zusammen mit dem Aero Dienst zu kaufen, und mit dem ganzen Verein dorthin umzusiedeln. Man plante, den Platz mit der 1036m langen Piste auszubauen. Zu der Zeit, als die US Army dort noch aktiv war, waren die Flugzeuge des ACN dort gerngesehene Gäste, die den Platz regelmäßig anflogen, um GCI (Ground Controlled Interception) Approaches zu üben. Die Pläne scheiterten jedoch am Veto der Regierung.

GEPLANTER BAU DREIER RUNDHANGARS
1995 wurde Alexander Bogsch Vorstand des Aero Clubs. Zu der Zeit, bis ca. 2001, gab es Pläne zum Bau dreier Rundhangars mit Drehteller, welche jeweils mit bis zu sieben Stellplätzen ausgestattet sein sollten. Angesiedelt sollten sie im Bereich südlich Foxtrott in Höhe Intersection Echo werden. Das Projekt wurde jedoch nie in die Tat umgesetzt.
1981 enstand eine herzliche Fliegerkameradschaft zwischen der 1. Staffel des Starfighter-Jagdbomber-Geschwaders 32 am Fliegerhorst Lechfeld (Günter Weiß, Major und Staffelkapitän), und dem Aero Club Nürnberg.

Im Oktober 1981 flogen 21 Maschinen des Aero Clubs, gefolgt von einigen PKW-Fahrgruppen, zu einem Besuch nach Lechfeld.

Einige Wochen später machte sich ein Lockheed Starfighter auf den Weg zum Gegenbesuch nach Nürnberg. Den Flieger parkte man praktischerweise direkt vor dem Aero Club, so daß sich auch wirklich jeder mal reinsetzen, und alles in Ruhe fotografieren konnte.

 
Man stelle sich den Aufruhr heute mal vor......
Ein besonderer Dank geht an unser Mitglied Hans Stöcker, der mir Fotomaterial aus seinem Privatarchiv zur Verfügung gestellt hat, sowie in einem zweistündigen Gespräch vieles über die Zeit des Aero Clubs ab 1970 erzählte. Hans trat 1971 in den Aero Club ein.

(Norbert Saemann)
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